Ihr Switch hat seit Jahren keinen Urlaub gemacht. Aber hatte er wenigstens ein Update?
Netzwerkgeräte verschwinden leicht aus dem Blick: Sie stehen im Verteilerschrank, blinken zuverlässig und werden erst zum Gesprächsthema, wenn Verbindungen ausfallen. Dabei benötigen auch Switches, Router und Access Points Wartung. Ihre Firmware kann Sicherheitslücken enthalten, selbst wenn der tägliche Betrieb unauffällig läuft.
Aktueller Anlass: bestimmte Zyxel-GS1900-Switches
Stand: 6. November 2026. Zyxel hat am 3. November eine Sicherheitsmeldung zur Schwachstelle CVE-2026-107441 veröffentlicht. Sie betrifft bestimmte Modelle der GS1900-Serie. Laut Hersteller könnte ein Angreifer mit LAN-Zugang die Schwachstelle ohne Anmeldung über eine präparierte HTTP-Anfrage ausnutzen und Betriebssystembefehle ausführen.
Zyxel nennt für die betroffenen Modelle Firmwarestände bis einschließlich der jeweiligen Version 2.90 Patch 2 und stellt modellbezogene Patch-3-Versionen bereit. Maßgeblich sind die vollständige Modellbezeichnung und Versionskennung in der offiziellen Herstellerübersicht mit betroffenen Geräten und korrigierten Versionen. Nicht jeder Zyxel-Switch ist betroffen. Ein pauschales „Wir haben Zyxel“ reicht deshalb zur Bewertung nicht aus.
Was Unternehmen jetzt prüfen lassen sollten
- Geräte identifizieren. Erfassen Sie genaue Modellbezeichnung, gegebenenfalls Hardwarevariante, Standort und vollständigen aktiven Firmwarestand.
- Mit der Herstellerinformation abgleichen. Lassen Sie die IT feststellen, welche Geräte betroffen sind und welche freigegebene Firmware jeweils passt. Laden Sie Updates aus offiziellen Herstellerquellen.
- Änderung vorbereiten. Sichern Sie die Konfiguration, prüfen Sie die Update-Anleitung und planen Sie ein passendes Wartungsfenster einschließlich Wiederanlauf und Rückfallmöglichkeit.
- Update kontrollieren. Prüfen Sie nach dem Neustart die tatsächlich aktive Firmware und wichtige Verbindungen, etwa zu Servern, Telefonie und Access Points.
- Verwaltungszugriff begrenzen. Die Administrationsoberfläche sollte nur für berechtigte Verwaltungssysteme erreichbar sein. Solche Schutzmaßnahmen ergänzen die Aktualisierung, ersetzen sie aber nicht.
Besteht bereits ein Verdacht auf einen Angriff, sollte ein qualifizierter IT-Verantwortlicher den Vorfall untersuchen. Ein installiertes Update allein belegt nicht, dass ein zuvor möglicherweise kompromittiertes Gerät wieder vertrauenswürdig ist.
Damit der nächste Hinweis nicht wieder überrascht
Für eine brauchbare Geräteübersicht genügt zum Start eine überschaubare Liste: Gerät, Modell, Firmwarestand, Verantwortlicher, Supportstatus und Datum der letzten Prüfung. Entscheidend ist, dass jemand diese Liste aktuell hält und Herstellerwarnungen bewertet.
Legen Sie außerdem fest, wie dringende Sicherheitsupdates behandelt werden. Ein festes Wartungsfenster hilft bei der Planung. Bei einer kritischen Schwachstelle kann jedoch ein früherer Termin erforderlich sein. Das sollte eine bewusste Risikoentscheidung sein und nicht davon abhängen, ob zufällig jemand einen Artikel liest.
Für Geräte ohne Sicherheitsunterstützung braucht es einen Ersatz- oder Absicherungsplan. „Läuft noch“ sagt wenig darüber aus, ob ein Gerät weiterhin sicher betrieben werden kann.
Eine kleine Frage mit großer Wirkung
„Wer weiß bei uns, welche Firmware auf den Netzwerkgeräten läuft und wer sich um Sicherheitsmeldungen kümmert?“
Wenn Sie dafür erst im Verteilerschrank nach einem vergilbten Zettel suchen müssen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für eine Bestandsaufnahme.
Wie sich IT-Sicherheit als Führungsaufgabe strukturieren lässt, beschreibt der Leitfaden „IT-Sicherheit im Mittelstand“ von Martin Schlaak. Den konkreten Firmwareabgleich ersetzt das Buch nicht.
Sprechen Sie mit msv über die Wartung Ihrer Netzwerkumgebung. Mehr dazu unter IT-Betreuung und Beratung.